Obdachlose sehen wir fast jeden Tag auf der Straße, beim Flaschensammeln oder in Hauseingängen in der Nacht, was gleich zu der Frage führt: Ist dies in unserer heutigen Gesellschaft wirklich notwendig? Gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, die die Obdachlosigkeit abschafft, ist das große Ziel von StrassenBLUES e.V. Initiator und Gründer des Vereins ist Nikolas Migut, dessen Projekte dazu inspirieren sollen, diese Menschen wieder in unsere Mitte zu holen. baestard war im Gespräch mit Nikolas über sein kreatives Projekt StrassenBLUES in Zeiten des Konsumwahnsinns und über Nächstenliebe in der heutigen Zeit.

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(baestard) Beschreibe kurz StrassenBLUES, möglichst in drei Sätzen. Was ist das Ziel?

StrassenBLUES e.V. hat das Ziel, Mitgefühl für Obdachlose in unserer Gesellschaft durch ungewöhnliche Aktionen zu schaffen. Wir arrangieren dabei Begegnungen auf Augenhöhe von Menschen mit und ohne Obdach und zeigen kreative Möglichkeiten und Wege aus der Armut. Unser Vision: Wir inspirieren durch unsere konstruktiven und lösungsorientierten Projekte Menschen dazu, aktiv zu werden, und wollen gesellschaftliche Bedingungen schaffen, die die Obdachlosigkeit abschafft.

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Welches ist das eine Wort, das mit Deinem Projekt gleich in Verbindung gebracht werden soll?

Mitgefühl. Mitgefühl für Menschen am Rand unserer Gesellschaft, die wir durch unsere Aktionen wieder in unsere Mitte holen.

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dream big and start small, prepare to fail. Ein Pionier-Klassiker, der allen immanent ist. Aber so unterschiedlich wie jede Idee ist auch die Persönlichkeit dahinter. Was macht Dich aus?

Vor fünf Jahren habe ich gemerkt, dass „einen Film nach dem anderen zu machen“ nicht alles sein kann. Manchmal haben meine Dokumentarfilme in der ARD, auf Filmfestivals oder im Netz sicher Menschen berührt. Aber nachhaltig davon waren leider die wenigsten. Also habe ich mir gedacht: Wenn ich schon in den vergangenen nun annähernd 20 Jahren Fähigkeiten als Zeitungsschreiber, Radiomoderator, Online-Redakteur, PR-Berater, Videojournalist und Dokumentarfilmer gesammelt habe, möchte ich diese Fähigkeiten auch für etwas Sinnstiftendes einsetzen. Ich habe in diesen Jahren einige Menschen getroffen, die mich stark beeinflusst und geprägt haben. Dank ihrer Inspiration und dem bis heute andauernden kreativen Austausch (vor allem täglich mit meiner Frau Milena) bin ich heute jemand, der Visionen hat – und deswegen trotzdem nicht zum Arzt geht. Immer öfter denke ich: Wenn es wirklich wahr ist, dass wir nur einmal leben, dann sollten wir mit dieser Zeit etwas sinnvolles anfangen. StrassenBLUES e.V. ist da ein guter Anfang.

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Was sind Deine drei fundamentalen Regeln für den Erfolg? Warum?

Halte durch, werde besser und feiere gemeinsam. Durchhaltevermögen und persönliche Weiterentwicklung sind meines Erachtens wichtige Komponenten, um Erfolg zu haben beziehungsweise glücklich zu werden. Zum dritten Punkt: Alleine kämpfen macht auf Dauer einsam. Ich habe das große Glück, dass mich seit 2013 meine Frau Milena auf diesem Weg begleitet und mich immer wieder herausfordert mit ihren Ideen und bei meinen Entscheidungen und mir hilft, die richtigen zu treffen. Zudem gibt mir unser kreatives, engagiertes StrassenBLUES-Team immer wieder einen Schub, um noch Verrückteres tatsächlich anzugehen und gemeinsam umzusetzen.

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In welcher Zeit hättest Du mal leben wollen? Und was würdest Du anders machen als es damals war und welche Ratschläge würdest Du der Welt geben?

In der Zeit der Industrialisierung. Ich hätte damals frühzeitig einen Weg gesucht, um den Menschen und diesem anstehenden Konsumwahnsinn frühzeitig Alternativen aufzuzeigen.

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Welche Frage vermisst Du? Wie würde Deine Antwort darauf lauten? 

Warum? Warum machst du das alles?

Wir sind jene, die das Glück hatten, in eine relativ heile Welt hineingeboren worden zu sein und haben damit die verdammte Pflicht, diese Welt auch zu erhalten oder gar zu verbessern. Jeder Einzelne, der sich jetzt angesprochen fühlt, sollte sich in den Hintern treten und nicht nur versuchen, möglichst sein eigenes Leben gut zu meistern, sondern auch das seiner Mitmenschen – und unserer Umwelt. Ganz uneigennützig. Einfach helfen. Manche nennen es Nächstenliebe, andere Mitmenschlichkeit oder Altruismus – ich würde es einfach „sinn-voll“ nennen.

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Mehr über StrassenBLUES e.V.  →  www.strassenblues.de

(Foto © Nikolas Migut+NDR)

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