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Cusanus Hochschule

Cusanus Hochschule

Schon einmal etwas von einer Hochschule für Gesellschaftsgestaltung gehört? Vermutlich nicht. Doch es gibt sie! In der meistens recht einförmigen Hochschullandschaft schlägt die Cusanus Hochschule einen neuen Weg ein. Sie steht allgemein für eine unabhängige und gemeinsinnfördernde Bildung und speziell für eine kritische und multiperspektivische Ökonomie. Die Fesseln des Gewohnten aufsprengen, um aus dem Althergebrachten Neues und Unvorhergesehenes wachsen zu lassen, dies ist der Anspruch der Cusanus Hochschule, die 2015 vom zuständigen Ministerium des Landes Rheinland-Pfalz als Hochschule in freier Trägerschaft anerkannt wurde. baestard war im Gespräch mit Silja Graupe, Mitinitiatoren der Cusanus Hochschule und heutige Vizepräsidentin, und Reinhard Loske, ehemals Professor an der Universität Witten/Herdecke und seit April 2019 Präsident der Cusanus Hochschule, über eine lebensdienliche Wirtschaft in der heutigen Zeit, universitäre Freiheit und die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts.

 

(baestard) Beschreibe kurz Eure Hochschule, möglichst in drei Sätzen. Was ist das Ziel?

(Reinhard Loske) Wir wollen ein Ort sein, an dem junge Menschen sich mit unserer Unterstützung selbst bilden können, ein Ort, an dem eine Kultur der systematischen Multiperspektivität gepflegt wird, also ein Schauen auf die Fragen unserer Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei geht es uns um kritisches und theoretisches Denken ebenso wie um praktisches und transformatives Handeln. Im Zentrum steht dabei eine Ökonomie, die in Gesellschaft und Natur eingebettet ist und sich immer wieder philosophisch inspirieren lässt.

(Silja Graupe) Ich sehe die Cusanus Hochschule als eine Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. Damit meine ich keine Hochschule für Gesellschaftssteuerung durch eine kleine Elite, sondern wirklich eine, in der Menschen das gemeinsame Gestalten eines guten Lebens für alle erforschen, lehren, lernen und in die Gesellschaft tragen können. Dieses durchaus moralische Anliegen mit einer kompromisslosen Form universitärer Freiheit zu verbinden – bis tief hinein nicht nur ins Akademische, sondern auch in dessen organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen – dafür habe ich die Cusanus Hochschule mitgegründet.

 

Welches ist das eine Wort, das mit der Cusanus Hochschule gleich in Verbindung gebracht werden soll?

(RL & SG) Gemeinsinn-Ökonomie. Damit meinen wir eine Ökonomie, die den Privatsinn egoistischer Individuen und den Kaltsinn einer nur auf Sachzwängen beruhenden Wirtschaft gleichermaßen überwindet und den kreativen und moralischen Spürsinn der Vielen für eine lebensdienliche Wirtschaft entfesselt.

 

dream big and start small, prepare to fail. Ein Pionier-Klassiker, der allen immanent ist. Aber so unterschiedlich wie jede Idee ist auch die Persönlichkeit dahinter. Was macht Euch aus?

(RL) Ich bin vor allem ein Grenzgänger zwischen den Welten von Wissenschaft und Politik, habe das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie mitaufgebaut und als Professor an der Uni Witten/Herdecke gelehrt, war aber auch Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Senator der Freien Hansestadt Bremen. Diese Erfahrungen prägen natürlich auch mein Herangehen an die Aufgaben, die sich an der Cusanus Hochschule ergeben. Dass ich überdies seit langem auch in der NGO-Welt zuhause bin, etwa im Vorstand von Germanwatch, hat wohl auch Einfluss darauf, wie ich eine Organisation zu führen versuche.

(SG) Ich komme aus einer mittelständischen Familie und weiß die Freiheit unternehmerischen Handelns zu schätzen, habe aber auch schon als junger Mensch erfahren, wie brutal und unmenschlich eine sich immer weiter ökonomisierende Wirtschaft sein kann. Aus dem Scheitern zu lernen, ist hier eine riesige Herausforderung, weil so viele es als endgültig begreifen! Tod und Auferstehung aber gehören zusammen. Dies meine ich nicht als esoterischen Klimbim, sondern als konkret erfahrbaren Teil des Lebens. Akademisch bin ich eine Wanderin zwischen den Welten: diplomierte Wirtschaftsingenieurin, promovierte Volkswirtin, professorierte Ökonomin und Philosophin. Wirklich dranbleiben und die Fesseln des Gewohnten aufsprengen, so dass aus dem Alten unmittelbar Neues und Unvorhergesehenes wachsen kann, das ist mir wichtig. In der Hochschulgründung suche ich meine unternehmerische Erfahrung und akademische Haltung zusammenzubringen. Vielleicht zählt aber auch eine dritte Seite von mir: Ich bin Langstreckenläuferin gewesen und auf eigene Faust etwa quer durch Tibet geradelt. Visionen hat man nicht, man lebt sie. Der Weg entsteht im Gehen.

 

Was sind Deine „drei“ fundamentalen Regeln für den Erfolg? Warum?

(RL) Überzeugung, Energie, kooperative Führung. Man könnte auch sagen: Man sollte das tun, woran man glaubt, auch bei Schwierigkeiten Durchhaltevermögen an den Tag legen und vertrauen können.

(SG) Machen, was einen wirklich existentiell antreibt. Schwierige Prozesse durchstehen und stehenbleiben. Eine Kultur der Anerkennung leben und das Positive imaginieren.

 

In welcher Zeit hättet Ihr gerne mal leben wollen? Und was würdet Ihr anders machen als es damals war und welche Ratschläge würdet Ihr der Welt geben?

(RL) In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Gegen den Totalitarismus angehen und für die Kooperation demokratischer Kräfte streiten. Heute heißt die größte Herausforderung: Endlich anerkennen, dass wir als Menschen Teil der Natur sind und die planetaren Grenzen nicht überschreiten dürfen, wenn wir eine lebenswerte Zukunft haben wollen.

(SG) Ich würde die gleiche Zeit wählen. In kreativer Weiterentwicklung der Geschichtsphilosophie Karl Jaspers würde ich hier von einer „Achsenzeit“ sprechen, in der die wichtigen geistigen Grundlegungen unserer heutigen Wirtschaft und Gesellschaft erfolgten, zugleich aber noch eine Reihe alternativer Möglichkeiten existierten und die Menschheit folglich hätte auch andere Wege einschlagen können. Meine Hoffnung ist, dass wir heute wieder eine solche „Achsenzeit“ schaffen können, in der neue Freiräume für philosophische und technische Neuerungen entstehen. Wir sollten dann aber aus der Geschichte lernen und diese Räume nicht wieder auf einen einzigen Entwicklungspfad verengen. Doch ein Schritt nach dem anderen: Zunächst müssen wir überhaupt erst wieder Vielfalt und Weite entstehen lassen und die Unbestimmtheit, die darin liegt, aushalten lernen. Daran wirke ich gerne mit. Hier und heute.

 

Welche Frage vermisst Ihr? Wie würde Eure Antwort darauf lauten?

(RL) Wie schafft man es bei einem solchen Programm seine Kraft gut einzuteilen?

Hinreichend lange Phasen des intensiven Naturerlebens, der Kontemplation und Muße sowie des Zusammenseins mit den Liebsten sind ein absolutes Muss.

(SG) Wie kann man bei uns mitmachen und uns unterstützen?

Kommen Sie einfach mal vorbei! Sei es, dass Sie einzelne Seminare oder eine der vielen Tagungen und Workshops besuchen, sich direkt als Student bzw. Studentin einschreiben oder Teil der Gemeinsinnstifter werden, die gemeinsam das Engagement an der Cusanus Hochschule für eine Wende in Wissenschaft und Praxis fördern. Unsere Hochschule lebt vom Mitmachen!

 

Mehr über die Cusanus Hochschule  →  www.cusanus-hochschule.de

 

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