Mit kleinen Schritten die Welt ein bisschen besser machen. Dies haben sich Constanze Klotz und Hanna Charlotte Erhorn von Bridge&Tunnel zur Aufgabe gemacht. In Ihrem Designladen werden nur Alttextilien und Materialüberschüsse verwendet, die sonst kaum mehr eine Wiederverwendung finden würden. baestard war im Gespräch mit Conny und Lotte über ihr Social Business, über Wertschätzung und Ihre Arbeit als unerschrockene Kombinationsraketen.

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(baestard) Beschreibt kurz Euer unternehmerisches Projekt, möglichst in drei Sätzen. Was ist das Ziel?

(Conny & Lotte) Unser Label Bridge&Tunnel steht für Design, das Gesellschaft verändert. Alle unsere Designs entstehen aus Denim post- & pre-consumer waste (Alttextilien und Materialüberschüsse). Die Fertigung passiert nachhaltig und fair inmitten Hamburgs, mit gesellschaftlich benachteiligten Menschen sowie mit Geflüchteten. So verhelfen wir wertvollen Materialressourcen zu einem neuen Leben in style und hoffnungsvollen Talenten aus aller Welt zu einem erfüllenden Job mit Anerkennung.

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Welches ist das eine Wort, das mit Bridge&Tunnel gleich in Verbindung gebracht werden soll?

Wertschätzung. Es ist ein unfassbares Privileg unserer Generation – uns eingenommen – über Work-Life-Balance zu klagen. Denn wer keine Arbeit hat, hat nicht nur keine Arbeit, sondern so viel mehr nicht. Arbeit schafft Anerkennung, für unsere Näherinnen und Näher selbst, aber auch innerhalb ihrer Familien. Wenn Menschen lange Jahre keine Arbeit haben, finden sie in unserer Gesellschaft kaum noch statt. Oft wird eine gewaltige Stigmatisierungsspirale in Gang gesetzt. Wir möchten die Menschen hinter der textilen Produktion sichtbar machen und zeigen, dass jeder – losgelöst von irgendwelchen Zeugnissen – etwas kann. Über die Anerkennung des eigenen Tuns fangen viele unserer Mitarbeiter*innen wieder an, sich um sich selbst zu kümmern. Und geben das Gefühl der Wertschätzung an ihr Umfeld weiter.

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dream big and start small, prepare to fail. Ein Pionier-Klassiker, der allen immanent ist. Aber so unterschiedlich wie jede Idee ist auch die Persönlichkeit dahinter. Was macht Euch aus?

(Lotte) Wir sind uns sehr ähnlich und scherzen manchmal, dass wir uns ein Gehirn teilen. Trotzdem ergänzen wir uns in unserer Arbeit perfekt. Als Conny mich einmal in 3 Worten beschreiben sollte, sagte sie: erfinderisch, unerschrocken, bester Humor ever.

(Conny) Lotte beschrieb mich mit den Worten mutig, visionär, Kombinationsrakete. Findet ihr nicht auch, dass sich die Beschreibungen nahezu austauschen lassen?

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Was sind Eure drei fundamentalen Regeln für den Erfolg? Warum?

Einfach machen. Viele Menschen schreiben ellenlange Businesspläne, bevor sie sich trauen, ihre Geschäftsidee anzugehen. Wir sind keineswegs blauäugig an unsere Gründung herangegangen. Wir glauben aber daran, dass man einfach beginnen sollte,  weil man sonst manchmal Gefahr läuft, dem richtigen Startmoment hinterherzulaufen, den es oft gar nicht gibt.

Der eigenen Intuition folgen. Wir haben schon mit vielen Coaches und Mentoren zusammengearbeitet. Und viel von jeder einzelnen Person gelernt. Aus dem Blick verloren haben wir dabei aber manchmal unser Bauchgefühl, das nicht unterschätzt werden darf. Oft haben wir strategische Entscheidungen – nach monatelangem Abwägen und Besprechen mit Coaches – genau so umgesetzt, wie wir es am Anfang intuitiv gemacht hätten. Im Nachhinein hätten wir uns manche Runden also sparen können, wenn wir eher auf unser Bauchgefühl gehört hätten. Denn keiner kennt die eigene Geschäftsidee so gut wie man selbst.

Im Team arbeiten. Eine Gründung ist immer verrückt. Schließlich entsteht ein neues Unternehmen, das es so vorher noch nicht gab. Wir hätten das niemals allein umsetzen können und sind sehr dankbar, dass wir uns gefunden haben, um das ganze Abenteuer mit einem dauerhaften Sparring Partner anzugehen.

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In welcher Zeit hättet Ihr mal leben wollen? Und was würdet Ihr anders machen als es damals war und welche Ratschläge würdet Ihr der Welt geben?

Wir fühlen uns im Hier und Jetzt tatsächlich sehr wohl. Alle Entscheidungen, die wir bislang für Bridge&Tunnel gefällt haben, würden wir vermutlich wieder genau so fällen. Denn schließlich lernt man auch aus Fehlern so vieles, das die spätere Arbeit beeinflusst.

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Welche Frage vermisst Ihr? Wie würde Eure Antwort darauf lauten? 

Warum habt ihr euch entschieden, ein Social Business zu gründen?

Mit Bridge&Tunnel haben wir ein Label gründet, das mehr will als nur hübsches Design zu gestalten. Wir brennen dafür, zu zeigen, dass es so viele Talente losgelöst von Zeugnissen gibt, und dass es möglich ist, textile Überbleibsel wie used Jeans als Ressource zu denken. Uns fasziniert die Vorstellung, dass man mit unternehmerischen Mitteln gesellschaftlich wirken kann. Gleichzeitig sind wir als Fair Fashion Label den gleichen Marktherausforderungen ausgesetzt wie klassische, rein wirtschaftlich agierende Labels. Das ist eine große Herausforderung für uns. Aber es motiviert uns auch über alle Maße.

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Mehr über Bridge&Tunnel  →  www.bridgeandtunnel.de

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